Ausstellung / Residenzen

30. Mai - 6. Juni – Ausstellung und Residenzen

 8. Juni - 26. Juli – Ausstellung

Mit:
Jérôme Berbier et Grégoire Pasquier, Antoine Chessex & Stéphane Montavon, Mathieu Copeland, Delphine Depres, Editions Clinamen, Vanessa Gageos, Nicolas Geiser, Infolipo, Jason Kahn, Antoine Läng & Thomas Perrodin, Rolf Laureijs & Benjamin, Pogonatos, Tobias Madison, Fabian Marti, Flavio Merlo & Ben Rosenthal, Jen Morris aka [sic], Emanuel Rossetti, Nora Schultz, Tamara de Wehr, Benu Zitz, Gregory Whitehead.

Jérôme Berbier & Grégoire Pasquier
Crystal Voice

Die meisten von Euch werden sich an Bianca Castafiore erinnern, deren Stimme die Scheiben von Schloss Mühlenhof zerspringen liess. In der Realität ist das Ganze etwas komplizierter, da die Vibration in Einklang mit dem Kristallglas sein muss, um dessen interne Struktur zu schwächen und es schliesslich zum Bersten zu bringen.
Jérôme Berbier wird diese urban Legend, nach der eine Stimme Kristall zerspringen lassen kann, einer schweren Probe unterziehen. Mittels Schreien der Swiss Scream Bank wird er versuchen, eine gläserne Lunge explodieren zu lassen.

Boomerang
Sonderausgabe Schrei

Boomerang ist eine zeitgenössische Poesie-Zeitschrift der Universität Genf in französischer Sprache, an der Autoren unterschiedlicher sprachlicher Herkunft arbeiten. Boomerang widmet diese Sonderausgabe dem Schrei in seiner poetischen Umgebung.

Clinamen
Modularer Katalog

Das unabhängige Genfer Verlagskollektiv Clinamen erstellt eine redaktionelle Fassung des Screamscape in seiner Gesamtheit: vorher, während und retrospektiv. Der modulare und fragmentarische Katalog zeigt die multiplen Aspekte des Anlasses und spiegelt auf diese Art und Weise den Produktionsprozess des Sreamscape wieder. Das Layout ist ein Werk der Grafikerin Denise Bertschi.
www.editions-clinamen.com

Mathieu Copeland
Invisible curating

Mathieu Copeland ist unabhängiger Kurator und lebt in London. Durch seinen Denkansatz und seine Arbeitsweise erweitert er systematisch die Grenzen auf dem Gebiet der Kunst. All seine Projekte dehnen das Medium „Ausstellung“ und intensivieren und erweitern gleichzeitig die Art und Weise, wie wir Kunst wahrnehmen.
Zusammen mit John Armleder und Mai-Thu Perret hat er die Ausstellung VIDES/VOIDS, Eine Retrospektive im Centre Pompidou Paris und in der Kunsthalle Bern im 2009, kuratiert. In Zusammenarbeit mit Alan Vega, Suicide, Phill Niblock oder auch Gustav Metzger war er an bedeutenden Ausstellungen beteiligt.

Vanessa Gageos / Polite Scream
Multimedia Installation

Die Installation der Multimediakünstlerin Vanessa Gageos wiederspiegelt durch sehr zivilisiert schreiende Puppen in ironischer Weise den schweizerischen Hang zur Diskretion und Neutralität. Anders gesagt interessiert sich Gageos für die unspektakulärste, aber genauso unter Anspannung stehende Phase der Schreigebärde: die Vorbereitung des Schreis - die fast lautlose Bewegung des notwendigen Luftholens. Der Vorschrei als Schweizer Schrei schlechthin. Das allgemeine Schaffen der Künstlerin basiert auf der Selbsterforschung und der Art und Weise, wie Menschen ihre grundlegenden Werte darstellen. Aufgrund der Tatsache, dass sie sich seit mehreren Jahren mit der Frage des Schreis beschäftigt (vgl. Cave, Bern, 2012) übernimmt Gageos für das Institut die Rolle einer Expertin.

Delphine Depres
Installation und Klang-Performance

Als Zeugnis der konstanten Neuformatierung digitaler Dateien hat die Arbeit von Delphine Depres ihren Ursprung in Schreien der Swiss Scream Bank, deren Wellenlänge sie in 3D ausdruckt. Die Objekte mit ihren kleinen Bergen werden wie eine Kammlinie angeordnet, mit der Kamera abgefahren und gefilmt. Das Video wird so zu einer Art Partitur, die Depres am Sreamscape mit ihrem Theremin vorträgt. Delphine Depres ist bildende Künstlerin, Videokünstlerin und Performerin mit einem Diplom der HEAD in Genf.

Nicolas Geiser / Screamshot

Der Schweizer Artist Nicolas Geiser bedient sich eines der Aushängeschilder des Modernismus: Der Schrei von Edgar Munch, oder vielmehr der Darstellungen, die im Internet zirkulieren und bei denen er mit dem Software Programm „Image Tricks“ den Filter „Rausch reduzieren“ anwendet. Es wird ein Screenshot aufgenommen, wobei ein längliches Band vom Rest des Bildes isoliert wird. Der entsprechende Ausdruck wird auf den Boden gelegt und neigt sich in seiner Heldenlosigkeit. Das Ergebnis ist eine Ausschöpfung des Originalmotivs durch eine Abfolge kalter und aktueller Verfahren, eine Allegorie unserer durch diese ohrenbetäubende Epoche erstickten Schreie.

Michael Gendreau
Die Schreie des Fri Art-Gebäudes

Als Ingenieur wird Michael Gendreau regelmässig damit beauftragt, Schallauswirkungen von grossen Infrastrukturprojekten zu beurteilen (beispielsweise in der Tokioter Metro). Er ist nicht nur ein führender Spezialist im Bereich der akustischen Physik, sondern auch Musiker und stellt seine hochqualifizierten wissenschaftlichen Kenntnisse in den Dienst künstlerischer Aktivitäten. Im Allgemeinen infiltriert er die Architektur und Struktur der Gebäude, in denen er gastiert. In der Kunsthalle Fri Art lässt er die „Schreie“ des Gebäudes durch das Heizungssystem in poetischer Weise hörbar werden.

Infolipo
Elektromagnetoskop, Installation und Performance

Die Genfer Gruppe Infolipo (Akronym für „informatique et littérature potentielle“, Informatik und potentielle Literatur) interessiert sich seit 1987 für die Begegnung von Poesie und Technologie. Für Screamscape haben diese Erben von Raymond Queneau es möglich gemacht, dass wir dank einer ihrer Erfindungen – dem Elektromagnetoskop – die Schreie unserer Kommunikationsgeräte hören können.

Jason Kahn
Other Ghosts

Jason Kahn ist ein in Zürich lebender amerikanischer Musiker, Künstler und Schriftsteller. Für Screamscape hat er eine klangliche und optische Installation entwickelt, welche den Schrei als Raum in seiner psychologischen und relationalen Dimension überdenkt und hinterfragt. Der Künstler ist die ganze Woche über in seiner Installation physisch anwesend und produziert Texte, die er in regelmässigen Abständen vorträgt. Diese Performances werden aufgezeichnet und bereichern die Installation, die sich nach dem Prinzip der Akkumulation und des Work in Progress immer weiter entwickelt.

Mönche und Nonnen im Zentempel Kôsetsu-ji
Zazenpraxis

"Hegt keinen Hass gegen aufkommende Gedanken und auch keine Liebe, vor allen Dingen aber, nährt sie nicht. Wie auch immer, egal was geschieht, sollt ihr hier und jetzt das grosse Sitzen praktizieren. Ein Gedanke kommt nicht von selbst wieder wenn man ihn nicht nährt. Überlasst euch der Ausatmung und der in euch hineinströmenden Einatmung in einem harmonischen Kommen und Gehen. Dann bleibt nu rein Zafu unterm leeren Himmel, das Gewicht einer Flamme. »
Meister Ejo, 13. Jahrhundert

Sitzgruppe Kôsetsu-Ji Fribourg
kosetsujifribourg@gmail.com
kosetsuji.fribourg

Le Labo – RTS Espace 2
Labor für radiophonische Schöpfung

David Collin wird sich für seine Sendung „Le Labo“, die jeden Sonntagabend auf Espace 2 ausgestrahlt wird, innerhalb des Screamscape einrichten. Über die Radiosendung hinaus wird das Labo während der ganzen Woche als sicht- und hörbares Organ des Publikums agieren. Das Produktionsteam setzt sich zusammen aus Jonas Pool, David Christoffel, David Collin und Christophe Eisseva.

Antoine Läng & Thomas Perrodin / SCHREI(B)EN
Performance-Installation

Das Werk SCHREI(B)EN von Thomas Perrodin und Antoine Läng fokussiert sich auf die Laute, die wir erzeugen und die Spuren, die wir dadurch hinterlassen. In Anlehnung an die Spritztechnik der Höhlenmalereien oder an die Spuren von Speicheltröpfchen der Leser auf antiken Manuskripten wird jeder abgespielte Schrei durch Sprühtechnik auf einer Seite des Buches sichtbar gemacht. So entsteht vor den Augen des Publikums ein Buch der Schreie, das über die Sprache hinaus geht und sich auf die Stofflichkeit der klanglichen Gebärde konzentriert.

Rolf Laureijs & Benjamin Pogonatos / Reflection
Multimedia-Installation

Die Installation der beiden Media-Art-Studenten an der Hochschule der Künste Bern (HKB), Rolf Laureijs und Benjamin Pogonatos, funktioniert wie ein Hallraum. Die Besucher haben die Möglichkeit, in die von ihnen konzipierte Struktur zu schreien. Der vom Computer gespeicherte und manipulierte Ton wird wiedergegeben und verwickelt den Zuschauer in einen verwirrenden virtuellen Dialog mit der eigenen Stimme.

Tobias Madison / Dropping Event
Performance

Der Zürcher Künstler greift das Dropping Event des japanischen Gutai (japanische Version des Fluxus) Kollektivs Hi Red Center von 1964 wieder auf. Als Kampfansage an die Konsumgesellschaft wurde bei dieser Aktion der gesamte Inhalt eines Koffers und schliesslich auch der Koffer selbst vom Dach der Ikenobo-Schule für Blumenarrangements geworfen und in alle Winde verstreut.
Mit : Gabrielle Schaad und Balthazar Lovay

Andrea Marioni / ScreamSafer
Öffentlicher Ausrufer

Das Projekt des Lausanner Künstlers Andrea Marioni, der ausserdem Mitglied von Unperfect Radio (siehe Link) ist, haucht dem ansonsten überholten Medium des öffentlichen Ausrufers, der im 19. Jahrhundert das Tagesgeschehen auf den Strassen verkündete, wieder neues Leben ein. Das Publikum hat die Möglichkeit, geschriebene Mitteilungen in einer Urne zu deponieren. Marioni wird diese von Zeit zu Zeit mit lauter Stimme in überraschender Weise vortragen und schafft im Zeitalter von WhatsApp vokale Interferenzen.

Fabian Marti
Peformance

Der in Zürich und Los Angeles lebende Künstler Fabian Marti, Gründungsmitglied des Freiburger Kollektivs PAC (1999-2006), wird sich in eine Meditations-Performance versenken – ein Akt, der seit einigen Jahren Bestandteil seines künstlerischen Schaffens ist.

Jen Morris aka [sic]
Installation

Ähnlich einem an der Decke mit einer Feder befestigten Lampenschirms ist auch der „Tonkessel“ von Jen Morris über dem Kopf des Benutzers angebracht. Sobald sich der Besucher im Inneren des Kessels befindet, werden Schreie aus der Swiss Scream Bank hörbar. Dieser verblüffende Empfangsmodus wirkt durch das klaustrophobische Gefühl doppelt beängstigend. Die audiovisuelle kanadische Künstlerin Jen Morris erkundet in ihrer Arbeit die Fragen von Verlangen, Macht und Dominanz.

Emanuel Rossetti
Unerwartete Erscheinungen

Im Allgemeinen arbeitet der Basler Künstler mit dem Medium des Tons und den Gegebenheiten vor Ort und hinterfragt mit seinem Werk sowohl den Kontext als auch den Sinn einer künstlerischen Geste. Im Fri Art konzentriert er sich auf unerwartete und unvorhergesehene Erscheinungen.

Nora Schultz
Installation

Die Installationen der deutschen Künstlerin hinterfragen nicht nur den Ort und den Kontext des Ausstellungsortes, sondern auch die Autonomie der Installation selber.

Unperfect Radio
Rundfunk Making-of

Unperfect Radio ist ein Rundfunkprojekt der unabhängigen Lausanner Kunstraums „Urgent Paradise“. Ein Radioteam wird im Forschungszentrum des Sreamscape ein Produktionsstudio errichten und die Live-Beiträge direkt auf dem Internet veröffentlichen. Die Mitwirkenden sind natürlich alle bedeutende Experten für Geschrei und die fundamentalen Diskussionen in diesem Zusammenhang.
www.urgentparadise.ch
unperfectradio.ch/

Tamara de Wehr / Scream Screen
Video Installation

Dieses Found-Footages-Video betrachtet den Schrei in seiner visuellen und darstellenden Form. Es setzt sich aus Filmausschnitten ohne Tonspur zusammen, die herumschreiende Personen in Szene setzen. In der Stille drückt sich der Schrei durch Übertreibung, Mimik und verstärkende Gestik aus, was ihn paradoxerweise umso gegenwärtiger macht.

Gregory Whitehead
Multimedia-Installation

Der Co-Kurator von Screamscape hat ein Screamscape arrangiert, das an einem geheimen Ort im Gebäude gezeigt wird.
"Beim Philosophieren muss man ins alte Chaos hinabsteigen und sich dort wohlfühlen." - Wittgenstein, Culture and Value, 1948

Benu Zitz
Hörstand

Am Hörstand des Freiburger Videokünstlers, Musikers und Toningenieurs Benu Zitz kann man sich CDs von Musikgruppen anhören. Allerdings sind auf diesen CDs ausschliesslich die Vocals zu hören. Machen Sie sich auf erstaunliche Überraschungen gefasst!